Erziehung & lila Kühe  E-Mail

 

 „Erziehung ist organisierte Verteidigung

der Erwachsenen gegen die Jugend“,

 

hat Mark Twain, ein Freund der Kinder und Kinderbuchautor, gesagt. Unser Grundgesetz sagt dazu:„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ (Grundgesetz Art. 6 Abs. 2) Erziehung ist also ein aktiver Vorgang, der bestimmt wird von der Beeinflussung der Kinder durch ihre Eltern. Was aber, wenn die Kinder ca. 4 Stunden und mehr am Tag mit Medien kommunizieren? Verteidigen sich die Eltern heute auf diese Art, damit sie Ruhe haben vor den Angriffen der Kinder? Kinder aber haben das natürliche Recht, in einer Familie die Führungsansprüche der Eltern in Frage zu stellen und sich mit den Eltern so zu „reiben“, dass ihr Weg ins Leben eine Richtung erhält, die zum Erfolg und zum Überleben im Miteinander unserer Leistungsgesellschaft beiträgt.

 

Wir finden diese naturgegebenen Verhaltensformen bei vielen Säugetieren. Ein junger Wolf wird sich mit dem Alpharüden auseinandersetzen, um ihn, wenn er zu schwach ist, abzulösen in der Führung des Rudels. Das ist überlebenswichtig, denn nur der Stärkste und Tüchtigste garantiert dem Rudel das Überleben. Das muss sich auch ein Vater gefallen lassen, denn es ist naturgegeben. Wir nennen es dann Pubertätsalter oder Adoleszenz.

 

Aber wehe wenn der Vater und danach die Mutter verliert. Dann dominieren die Kinder die Familie. Nur eine konsequente Erziehung hilft den Eltern, diese naturgegebene Angriffsphase der Kinder zu überstehen.

 

Wir finden ein ähnliches Verhalten auch in Pferdeherden. Wenn ein Fohlen sich nicht in die Regeln der Herde fügt, verstößt die Leitstute das Fohlen. Das Jungtier merkt sehr schnell, dass es allein den Angriffen aus der Natur nicht gewachsen ist. Will es aber in die Herde zurückkehren, kann das Tier dieses erst, wenn es durch seine Körpersprache eindeutig signalisiert, dass es sich den Regeln der sozialen Gemeinschaft unterwirft.  Alles andere wird nicht geduldet, weil es das Überleben des Fohlens und den Bestand der ganzen Herde gefährden würde. Der Philosoph, Richard David Precht, hat es in einem etwas anderem Zusammenhang so formuliert:“ Wichtig: Wir können nur als Herde überleben! Anstelle eines materiellen Egoismus muss ein sozialer Patriotismus greifen“ Und weiter: „Wenn wir als Gesellschaft, als Herde, überleben wollen, dann müssen die Starken die vermeintlich Schwächeren fit machen für die Zukunft. (Bild, 7. Oktober 2010, Seite 13)

 

Bei uns Menschen bedeutet Erziehung auch eine positive Sozialisation des Kindes, d.h. die Eingliederung des Zöglings in soziale Gruppen wie die Familie und die Heranführung an das Leben und Überleben in der Gesellschaft. Aber auch die Erziehung zur Mündigkeit und Selbstbestimmung sollten wesentlicher Bestandteil des erzieherischen Einwirkens sein. Entscheidend ist, dass Erziehung immer nur im sozialen Kontext – also im Umgang mit anderen Individuen, Eltern, Geschwistern, Spielkameraden, Freunden etc.– stattfinden kann, und ausschließlich für die Orientierung im sozialen Umfeld nützlich ist. Dazu sind alle Eltern aus moralischen Gründen und laut Grundgesetz verpflichtet. Es gibt nichts Gutes, es sei denn man tut es! Deswegen ist zum Vorteil und Wohlergehen des Kindes und der Gesellschaft eine konsequente Erziehung, gerade in der heutigen Zeit, mehr denn je von Nöten.

 

Erziehung in diesem Sinne ist ein zielgerichtetes und absichtsvolles Heranführen der Kinder an erwünschte existentielle Verhaltensweisen, Werte und Normen, die es ihnen ermöglichen, in einer leistungsorientierten demokratischen Gesellschaft gut zu bestehen.

 

Ideologisch besetzte Erziehung, wie die antiautoritäre, versuchte über die Kindererziehung, die Gesellschaft zu verändern. Diese Erziehung hat den Kindern die Jugend und die Orientierung genommen. Die Eltern aus der 68er Generation haben ihre Kinder als Vehikel benutzt und ihnen die Verkehrsschilder genommen und sich dann gewundert, dass die Kinder in der Gesellschaft unters Auto kamen. Diese Kinder haben permanent Angst, orientierungslos im gesellschaftlichen Verkehr unterzugehen. Dass sie versuchen, die Gesellschaft zu ändern oder gar abzuschaffen, ist nur zu gut zu verstehen, denn wer würde eine Gesellschaft, die er aufgrund seiner Orientierungslosigkeit als Bedrohung empfinden muss, weil er nicht gelernt hat, mit ihr umzugehen, nicht gern ändern oder sogar beseitigen..

 

Kinder müssen durch die Eltern konstruktiv, planvoll und partnerschaftlich auf das Leben in einer Industriegesellschaft vorbereitet werden. Um sinngemäß mit Albert Schweitzer zu reden, müssen Eltern ihre Kinder in Ehrfurcht vor dem heranwachsenden Leben, auf das Leben, in Respekt vor den an Lebenserfahrung reichen Erwachsenen, vorbereiten.

 

Pestalozzi hat es vor 200 Jahren bereits treffend so formuliert:

 

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„Es ist unstreitig, eine solche Anbahnung der Volksbildung würde dahin wirken können, die Kräfte des häuslichen Lebens zur sittlichen, geistigen und Kunstbildung des Volkes zu stärken und die Väter und Mütter des Landes fähiger zu machen, ihren Kindern vom Morgen bis am Abend mit Rat und Tat wirklich beizustehen und in ihrem Tun und Lassen einen wahrhaft bildenden Einfluss auf sie haben. (...) Sie würde die Kraft des Volks, seine Anlagen im Kreis der Seinigen zu gebrauchen und sich im Kreis der Seinigen in allen Bedürfnissen selber und selbstständig helfen zu können, im Volk allgemein beleben und millionenfach erhöhen.“

 

Zitat aus Wikipedia: Einwirken auf ein Individuum mit dem Ziel, dieses einerseits an überindividuelle Standards (Werte, Normen, Verhaltenserwartungen, etc.)anzupassen (i.e. Vereinheitlichung im Sinne von Sozialisation, Enkulturation, etc., in der Absicht, ihm die Geborgenheit in der sozialen Umgebung zu erleichtern), andererseits – gewissermaßen gegenläufig – dieses zu und in seiner Individualität zu ermuntern und deren erwünschte Seiten zur Blüte zu bringen (i.e. Individuation im Sinne von Potential- und Talententdeckung und -entwicklung etc. in der Absicht, ihm die Wertschätzung durch die soziale Umgebung zu erleichtern)(Rolf Mohr)

 

Wie aber umsetzen?

 

Die Kinder der heutigen Zeit, die meinen, dass Kühe lila sind, müssen heute mehr denn je, gerade wegen der millionenfachen Möglichkeiten des kindlichen Gehirns schon im Vorschulalter basteln, malen, Erfahrungen in der Natur machen, den Umgang mit Tieren und Pflanzen lernen, sich balgen und Gruppen-Sport treiben und so früh wie möglich Ordnung, Sauberkeit und diszipliniertes Verhalten auch gegenüber Andersdenkenden und lebenserfahrenen Erwachsenen lernen. Nur so können sie auch maximal davon im Leben profitieren.

 

Schon kleine Kinder sollten gefordert und vor allen Dingen ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechend gefördert werden. Das tut dem Gehirn gut, weil es sich maximal ausbildet (Bahnung der Synapsen). Bei Erfolgen des Kindes stellt sich dann auch unter psychologischen Aspekten ein hohes Wertgefühl ein, was die Motivation fördert und die Neugierde auf Neues eröffnet. Das alles können Nintendo, Gameboy, Playstation, Counter-Strike und Fernsehen eben nicht leisten, sondern nur verantwortungsbewusste Eltern und eine Gesellschaft, die Werte nicht mit dem Äquivalent Geld misst.

 

 

             

Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden.

Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch (konsequent) tun.


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    Johann Wolfgang von Goethe

 

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